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Wie man der Angst vor der Narkose begegnet

Wer vor einer Operation steht hat viele Fragen und viele Sorgen. Zwar erklärt Ihnen ihr Arzt, wie der Eingriff verlaufen wird, was häufig bleibt, ist jedoch die Narkose-Angst. Wache ich nicht mehr auf? Werde ich mitten in der OP plötzlich wach? Welche Komplikationen muss ich befürchten? Audiio gibt Antworten, Tipps und Verhaltensregeln, um die Angst zu verlieren und optimal vorbereitet in die OP zu gehen.

 

Die Angst vor der Narkose

Ärzte erklären ihren Patienten in der Regel genau, was bei einer Operation geschehen soll – was bei den meisten Menschen bleibt ist die Angst vor der Narkose. Wer sich jedoch auf eine Operation gut vorbereitet, hat weniger Angst. Viele Menschen haben panische Angst davor, nach einer Operation nicht wieder aufzuwachen oder während der Operation das Bewusstsein wieder zu erlangen und dann Schmerzen zu erleiden. Diese Angst ist jedoch faktisch unbegründet.

“Wissen gibt Sicherheit”

Zwar haben Narkosen für viele Patienten dank verbesserter medizinischer Möglichkeiten viel von ihrem einstigen Schrecken verloren, dennoch gibt es Dinge, die Sorgen bereiten können. Für viele Patienten ist das Gefühl, hilflos ausgeliefert zu sein, beängstigend. Darüber hinaus kommen immer wieder Fragen wie “Kann es passieren, dass ich nicht mehr aufwache?” oder “Kann die Narkose Folgeschäden nach sich ziehen?“

Wer diesen typischen Ängsten vor der Narkose aktiv begegnen möchte, sollte sich die folgenden Tipps zu Herzen nehmen. „Wissen gibt Sicherheit. Wesentlich ist dabei ein ausführliches Vorbereitungsgespräch mit dem Anästhesisten“, empfiehlt Heidrun Holstein von der Unabhängigen Patientenberatung in Karlsruhe. Sie weiß: “In diesem Gespräch müssen alle Sorgen thematisiert und Fragen besprochen werden wie: Wer ist bei der Operation anwesend? Wer betreut mich? Wie verläuft der Aufwachvorgang?”

Verhaltensregeln vor der Narkose

Für Sie als Patient gilt daher: Bereiten Sie sich sehr genau auf die Unterhaltung mit dem Anästhesisten vor, die in der Regel einige Tage vor dem Eingriff stattfindet. Notieren Sie ihre Fragen, ihre Sorgen, berichten sie über frühere Narkose-Erfahrungen und vermerken sie ihre Allergien, Unverträglichkeiten und die Namen der Medikamente, die sie regelmäßig einnehmen. Je mehr der Anästhesist im Gespräch von seinem Patienten erfährt, umso besser kann er auf ihn eingehen und ihm die Angst vor der Narkose nehmen. Das gilt in emotionaler, aber auch in medizinischer Hinsicht, vor allem in Bezug auf die individuelle Dosierung der Medikamente. Sie ist der Schlüssel zu einer sicheren Betäubung und hängt von Faktoren wie Alter, Geschlecht, Gewicht, Fitness und etwaig vorhandenen Allergien ab. Der Arzt ist hier auf wahrheitsgemäße, exakte Angaben des Patienten angewiesen. Im Vorgespräch erfährt der Patient auch, wie er sich körperlich auf die Narkose vorbereiten kann. Dazu gehören z.B. Verhaltensregeln, die das Essen, Trinken und Rauchen in den Stunden vor der OP betreffen.

Komplikationen bei Narkosen: Selten, aber nicht auszuschließen

Die größte Angst vor der Narkose ist meist die vor möglichen Komplikationen. Das können allergische Reaktionen sein, bei Vollnarkosen sind zudem Schwierigkeiten mit der Atmung denkbar, sagt Prof. Goetz Geldner. „In 15 bis 20 Prozent aller Narkosen kann es außerdem zu postoperativer Übelkeit und Erbrechen kommen“, so der Präsident des Berufsverbandes der Anästhesisten (BDA). Dabei handelt es sich in der Regel aber um harmlose Symptome, die nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Vorbeugend können an das individuelle Risiko des Patienten angepasste Medikamente verabreicht werden.

Entspannung lindert Ängste, Risiken und Beschwerden

Verschiedenste Entspannungstechniken und Musik helfen, die Angst vor der Narkose in den Griff zu bekommen und Körper und Geist zu beruhigen. Wer entspannt in eine Operation geht, erhöht auch die Erfolgschancen des Eingriffs und sorgt für einen schnelleren Genesungsprozess.

Zur persönlichen Beruhigung dienen auch Entspannungsübungen wie die progressive Muskelentspannung oder autogenes Training. Diese Techniken sollte der Patient wenn möglich bereits im Vorfeld des Krankenhausaufenthaltes einüben und sich damit optimal vorbereiten. So kann er die gewünschte entspannende Wirkung auch in der ungewohnten Krankenhausumgebung abrufen. Auch Musik wirkt auf viele Menschen beruhigend und weckt positive Erinnerungen. Ein tragbarer CD-Player gehört heute zur Standardausrüstung in vielen Krankenhäusern und im OP, sodass Patienten während des Eingriffs ihre eigene Musik hören können.

Vertraute Menschen helfen, die Narkose angstfrei zu erleben

Am Tag der Operation kann die Anwesenheit eines vertrauten Menschen beruhigend wirken und die Angst vor der Narkose und dem Eingriff lindern. Bei Regionalanästhesien, wie bei Kaiserschnitten, ist es durchaus möglich und teilweise sogar üblich, dass jemand den Patienten während des Eingriffs begleitet. Bei Vollnarkosen hingegen dürfen Angehörige nicht dabei sein. Ihre körperliche Anwesenheit kann jedoch nach der Aufwachphase sehr hilfreich sein. Sie können ruhig auf den Patienten eingehen und ihm Kraft geben.

Bewusstseinsstörung früh erkennen

Einige Patienten mit Herz- oder Gefäßoperationen und auch Patienten, die sich sehr lang andauernde Operationen unterziehen müssen, müssen als Risikopatienten eingestuft werden. Hier kann es zu einer sogenannten postoperativen kognitiven Dysfunktion kommen, also einer Bewusstseinsstörung. Solche Beeinträchtigungen treten bei etwa jedem vierten Risikopatienten auf, und zwar am häufigsten am dritten bis siebten Tag nach der Operation. Die Mitwirkung von Freunden und Angehörigen ist in solchen Fällen besonders wichtig, denn sie leisten einen wertvollen Beitrag, indem sie die Bewusstseinsstörung so früh wie möglich erkennen. Sie kann dann durch Medikamente wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Begleitend ist jedoch wichtig, dem Patienten die Orientierung zu erleichtern. Gespräche mit vertrauten Menschen, Musik, eine Uhr, aber auch das gewohnte häusliche Umfeld können dabei helfen. Bereits nach vier Wochen, so die Einschätzung von Fachleuten, klagen mehr als 90 Prozent der Patienten nicht mehr über die Folgebeschwerden.