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Stress und Angst als Auslöser chronischer Schmerzen

Wer kennt sie nicht, die Angst, dass der Schmerz bleibt, die Entzündung nicht ausheilt oder die Angst vor einer dauerhaften Beeinträchtigung? Diese Sorge kann Patienten sowohl vor als auch nach einer Operation beschäftigen. Wie intensiv die Angst ist, hängt dabei nicht allein vom Krankheitsgeschehen und dessen Verlauf ab. Die Persönlichkeit des Patienten spielt hier auch eine große Rolle. Als Folge von ständiger Angst können teils harmlose Krankheitsbilder zu chronischen Beschwerden führen.

 

In der Regel entsteht Angst immer dann, wenn Sie etwas erleben, was Sie sich nicht erklären können. Das Gehirn bewertet diese Situationen als potenzielle Bedrohung, wodurch das Bedürfnis entsteht, das Geschehene vorhersagbar und kontrollierbar zu machen. Je stärker die alltäglichen Funktionsabläufe eingeschränkt sind, desto größer wird die Verunsicherung. Oftmals ist dem Patienten diese Angst nicht bewusst. Sie wird eher als Emotion, also eine noch unbewusste Gefühlsregung, wahrgenommen.

Anatomisch betrachtet findet die Bewertung einer Situation im Limbischen System statt, ohne das der Mensch keine Angst empfinden würde. Entsteht nun eine Kopplung der Emotion mit einer potenziellen Bedrohung, löst dies im Gehirn eine gezielte Stressantwort aus. Die Atmung, der Kreislauf sowie die Energieversorgung im Körper werden beschleunigt und es entsteht eine Welle der Stressreaktion.

Angst begünstigt chronische Entzündungen

Im Normalfall verschwinden diese Symptome wenn auch die Angst vorbeigeht. Nicht so bei Patienten, die über einen längeren Zeitraum unter durch Angst ausgelöstem Stress stehen, denn dann besteht die Gefahr, dass die Reaktion des Körpers permanent anhält. Die Folge können chronische Entzündungsreaktionen sein, die eine Ausheilung von lokalen Entzündungen verhindern.

Die chronische Aktivierung der Stress-Achsen kann einer der Gründe dafür sein, warum sich Heilungsverläufe unterschiedlich darstellen und selbst geringfügige Beschwerden bei stark besorgten und/oder ängstlichen Patienten chronisch werden können.

Gesprächstherapie hilft

Um dies zu verhindern, empfehlen Ärzte den Patienten häufig eine Gesprächstherapie. Die Art, wie Menschen Krankheit, Angst und Stress verarbeiten ist bei jedem Menschen anders. Die Aufgabe des Therapeuten ist es, den Patienten wieder handlungsfähig zu machen und die passive Angstreaktion durch aktive Bewältigungsstrategien zu ersetzen.

Laut dem Neurowissenschaftler und Nobelpreisträger Eric Kandel verändert alles, was der Patient im therapeutischen Gespräch aufnimmt die synaptische Verknüpfung der neuronalen Netzwerke. Die Kommunikation zwischen Therapeut und Patient kann also dazu beitragen, dass der Patient seine Ängste besiegen kann. Zusätzlich können mentale Übungen helfen, dem besorgten Patienten seine Ängste zu nehmen und sich auch in stressigen Situationen auf sich zu konzentrieren. Solche Techniken dienen dazu, dass der Patient neue, konstruktiv neutrale Schaltkreise im Gehirn bildet. Der Patient wiederholt täglich Übungen, die seine Konzentration für eine bestimmte Dauer auf angenehme Tätigkeiten lenkt. Ziel ist es, das Gehirn von den täglichen Sorgen abzulenken – egal wie. So wird den Patienten antrainiert, den Fokus der Aufmerksamkeit von den Sorgen und Beschwerden abzulenken und damit eine Heilung von chronischen Erkrankungen zu ermöglichen.